Begriffsklärung Spielstile

  • Dieser Thread ist (hoffentlich) die Weiterführung bzw Vertiefung einer Diskussion aus [URL=http://irishtrad.de/bodhranforum/index.php?page=Thread&threadID=1983]diesem[/URL] Thread.

    Im Thread von Jörn ging es ja heiß her, daher erlaube ich mir, einen neuen Thread zum Thema Spielstile aufzumachen. Sicherlich gibt es schon mindestens 1000 Threads dazu, aber ich brauche mal ne Übersicht. Micha würde mich wahrscheinlich schlachten, wenn ich unter dem anderen Thema weiterschreibe, und ich wüsste grad nicht, an welchen anderen Thread ich mich dranhängen sollte. Also, Christian, lass mich nicht hängen, das Thema bleibt gleich. :P
    Hab mal versucht, die Inhalte aus der anderen Diskussion zu sammeln erlaube mir eine kurze Zusammenfassung des bisher Erarbeiteten ;)

    Wir unterscheiden in [B]Single-End[/B] und [B]Double-End [/B] Spiel (betrifft die Nutzung des Tippers!).
    Wir unterscheiden des Weiteren in Top-End-Stil und ???-Stil auf der Trommel, heißt: Wo spiel ich auf meiner Trommel.
    [Mir fehlt ein gutes Wort für ???-Stil. Bedeutet für mich ein Spiel mit viel Bass und Wumms.]

    [B]Top-End-Stil [/B] nach der Definition von Christian ([B]Spiel im oberen Ende der Trommel[/B] ) ist meistens auch Single-End-Style, es sei denn, man ist Rolf Wagels mit Rolls aufm Coladeckel.
    Single-End-Haltung [I]kann [/I] Top-End-Spiel sein, muss aber nicht, siehe Martin O Neill. Der spielt mit einem Ende auch viel Bass und Wumms.
    Top-End-Style ist [I]häufig [/I] ein „brrr, patz, tacketitacketi-Spiel“, ist rhythmisch auffällig und macht viele Effekte.

    Übrig gebliebene, für Doro unbeantwortete Fragen:
    Was ist Kerry-Style?
    Was machen wir mit der Definition von bodhranunterricht.de?
    [QUOTE]einen modernen, so genannten Top-End Style, was bedeutet, dass ich das ganze Klangspektrum der Trommel ausschöpfe, indem ich sie vom unteren bis zum oberen Rand spiele. Dadurch erreicht man einen kräftigen Bass und knackige Höhen. Dieser Stil wird von den meisten jüngeren Spielern bevorzugt, da er sehr abwechslungsreich ist und man damit dem Melodieverlauf der Tunes folgen kann.[/QUOTE]

    Wenn ich meinen Stil beschreiben will, beantworte ich im Prinzip folgende Fragen für mich. Hab mal mit einem kleinen Augenzwinkern eine kleine Auswahl versucht.
    1) Benutze ich beide oder nur eine Seite des Sticks?
    -> Single oder Double End – Stil
    2) Wie halte ich meinen Stick?
    -> „normal“ ;) Rolf möge mein Paradebeispiel sein.
    -> „Babyhaltung“ Martin O Neill, locker zwischen Daumen und Zeigefingergelenk.
    3) Wo spiele ich auf der Trommel? Oben? Mitte? Überall? Abwechselnd? Ist das wichtig?
    4) Was spiele ich für einen Stil? Meiner Meinung nach die wichtigste Frage!
    [list]-> Ich lege sehr viel Wert auf einen Rhythmus, der auffällt, den ich als „modern“ bezeichnen würde. Zu meine großen Vorbildern gehört unter anderem Eamonn Murray. Mit Tacketi und Plöng Patsch kann ich mich gut anfreunden. Außerdem übe ich wie ein Bekloppter Single-Ended-Rolls. Down Downs sind auch geil! Und alles gern schnell! Aber: Zwischendurch darf auch mal der ein oder andere Bass rein, klar![/list] [list]-> Ich schiebe eher so den ruhigen, weil irische Musik vor allen Dingen einen Beat braucht, auf den die Melodiespieler aufbauen können und sich dran orientieren können. Außerdem hat meine Trommel einen so wundervollen Bass, dass ich den ruhig häufig mal erklingen lassen will. Mh... und diese Summtöne.[/list] [list]-> Oh, hm, da weiß ich mich jetzt gar nicht zuzuordnen. Es gibt ja nichts Schöneres, als dem Melodieverlauf so gut es geht zu folgen, da mach ich halt mit, was kommt. Rhythmus, Melodie, ich tu was ich kann. Außerdem hänge ich mich besonders gern an die anderen Begleiter (Gitarre, Bouzouki) dran. Solang ich mit denen synchron bin, ist alles in Butter.[/list]


    Wenn man dafür jetzt Namen hätte... 8)

    Liebe Grüße,
    ich hoffe, ihr verzeiht mir Ungenauigkeiten und klärt mich stattdessen auf.
    Doro
  • Liebe Doro,

    [QUOTE][I]Original von Doro [/I]
    Micha würde mich wahrscheinlich schlachten, wenn ich unter dem anderen Thema weiterschreibe, und ich wüsste grad nicht, an welchen anderen Thread ich mich dranhängen sollte. [/QUOTE]

    Das würde ich doch niemals tun. Hunde, die bellen, beißen nicht. Kennst mich doch. ;)

    Vielen Dank jedenfalls, dass Du dieses Thema hier eröffnet hast. Klar gibt es schon Diskussionen zu dem einen oder anderen Punkt, aber noch nicht so sehr komprimiert und vor allem sind die ja auch alle schon etwas älter. Seitdem hat sich im Spiel ein bißchen was getan (oder doch nicht??? ) und es sind neue Nasen im Forum aufgeschlagen.

    Also - her mit Euren Ideen!


    LG,


    Micha
  • Wunderbare Zusammenfassung!
    Unter 2) fehlt mir noch die "Stifthaltung" - die aber sehr schnell in eine verkrampfte, gelenk- und muskelmordende Sache ausarten kann.

    "Kerry Style" (klassisch/traditional):
    Ich verstehe darunter am ehesten das, was Kevin Conneff mit der rechten Hand tut.

    LG

    Yoshi
  • [QUOTE][I]Original von Micha [/I]
    Ääääh - und das wäre was genau???
    [/QUOTE]
    Er reibt sich die rechte Hand vorm spielen mit irischer Butter ein - ernsthaft, ich bin seit knapp drei Monaten mit von der Partie und wäre sehr glücklich über eine Definition von Dir was Kerrystyle ist - was es Deiner Meinung nach nicht ist konnte ich aus diversen Postings glaube ich erfassen ;)
    So langsam blicke ich überhaupt nicht mehr durch - was aber auch eigentlich nicht wichtig ist denke ich.

    LG

    Yoshi
  • Ahhh, Yoshi! ;)

    Wir haben ja hier fast alle nur unser gesundes Halbwissen mit eigener Interpretation, aber dann stell doch deine Aussage als Frage!
    Sonst bietest mir zwar Beispiele an, sagst dann aber wieder, dass du's auch nicht genau weißt (was ja gar nicht schlimm ist!). Also, kurze knackige Info auf Deutsch: was ist Kerry-Style? Beziehen wir uns hier auf die Handhaltung/Stickhaltung, oder auf die Art des Begleitens (Spielstil)?
    Außerdem: Gibt es ein gutes Videobeispiel dafür?
  • Oh mein Gott, jetzt wirds richtig kompliziert und deutsch ;) Das ist aber schonmal alles sehr gut. Es ist eine gute Frage wie man den "anderen Spielstil" nennt.
    Es gibt Leute die behaupten "There is no Kerrystyle"
    Jetzt ist eben wieder die Frage ob man auf Kerrystyle wirklich nur die Tipperhaltung oder das Klangbild bezieht.
    Mein Vorschlag wäre: Wir nennen den "traditionellen" Stil wirkich Kerrystyle, aber wenn wir von der Tipperhaltung reden sollten wir vom "doubleended Tipperstyle" reden.

    Übrigens, das allerbeste Anschauungsbeispiel für einen solchen singleended Nicht-Topendstyle. (oder vielleicht besser einen [B]"singleended Kerrystyle"[/B] ?)
    ist wirklich das [URL=http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=sTXQ4R_QLZA]Video von Michaela[/URL]

    (und jetzt bitte nicht wieder über was anderes diskutieren oder darüber, warum mir immer wieder dieses Video einfällt... ;) Danke !)
    It´s not the drummer - it´s the drum :D "...werde auch in Zukunft keine weiteren Wuzzzzzls bauen (!))"
  • In Anlehnung an meine obere Dreiteilung

    tacktack-Stil = [B]TopEnd[/B] (OBWOHL es sich [I]eigentlich[/I] auf die Stelle des Fells bezieht, auf der gespielt wird)

    Schön Bass und "unter" dem Tune gespielt = [B]Kerry Style[/B]

    Das "alles ein bisschen wie's passt" = [B]Follow the tune[/B]?[B] Moderner Kerrystyle[/B] ?

    @Christian: Michaela spielt (neben toll und groovy) NICHT singleended. Zumindest die Rolls.

    Hach, hätte man besser nie damit angefangen. ;(
  • Also wenn du dir da mit der Micha sicher bist nehme ich es zurück. Vielleicht ist hier die Übertragungsrate zu schlecht oder die Aufnahmequalität des Videos aber ich hätte schwören können Micha macht singleended rolls.

    Was die Einteilung angeht würde ich das mit dem Takatak weglassen, das ist doch nur abwertend und hat so nen negativen touch. Von sowas rede ich doch nur wenn wir hier unter uns sind ;) aber in eine Definition gehört das nicht rein, finde ich.

    Ich würde das so machen:

    [B]Spielstile:[/B]

    [U]Kerrystyle:[/U]

    Haupttreffpunkt etwa 1/4 vom Felldurchmesser und vorne/unten
    Basiston relativ tief
    Fellspannung relativ gering
    Der Felltreffpunkt wird häufig variiert, auch Vorwärts-und Rückwertsbewegungen während die linke Hand ruht werden zur Tonmodulation angewandt.
    Der Felltreffpunkt ist meistens über der linken Hand und wandert meistens synchron mit der linken Hand.
    Typisches Merkmal ist oft ein stetiges Basslinienspiel bzw. das permanente Halten eines mitlaufenden "Grundtons" oder korrekter ausgedrückt "das Haltern einer Tonhöhe", angepasst an den Tuneverlauf.

    Schlagworte "stetig, dienend, Basis gebend, solide, harmonisch"

    Typische Vertreter: Johnny "Ringo" McDonagh, Jim Higgins.

    [B]Ergo: "The heartbeat of (irish ?!?) music". Kombination aus Percussion und Bass[/B]


    [U]Topendstyle:[/U]

    Haupttreffpunkt etwa 1/6 -1/8 vom Felldurchmesser und oben.
    Basiston relativ hoch.
    Fellspannung relativ hoch.
    Der Felltreffpunkt bleibt meistens gleich, Tonmodulation hauptsächlich über linke Hand Bewegung und Drücken.
    Meist nur ein typischer Basston hörbar, nämlich wenn die Hand ganz weg ist. "Basedrum-effekt".
    Der Felltreffpunkt ist fast immer über der linken Hand und wandert selten synchron mit der linken Hand.
    Typische Merkmale sind sehr schnelle Spielweise, rhythmische Wechsel, oft offbeats, singleended rolls. Hauptmerkmal auf technisch versiertes sticking.
    Oft unerwartet hohe und durchdringende Plopp und Prrrr Sounds.

    Schlagworte "treibend, lebhaft, dominant, ausdrucksstark" (wenn ich böse wäre würde ich noch [B]manchmal[/B] "Egotripp" dazufügen) ;)

    Typische Vertreter: JohnJoe Kelly, Eamon Murray
    [B]
    Ergo: "Schlagzeugersatz"[/B]


    [B]Tipperführungsstile:[/B]

    [U]Singleended Finger[/U]
    Dünne Tipper werden mit meist nur 2 oder 3 Fingern gehalten. Führt oft zu Beschwerden in den Gelenken.

    [U]Singleended MON[/U]
    Tipper ruht mit dem oberen Ende zwischen Daumen und Ziegefinger, ähnlich wie beim Schlagzeugspielen.
    Ich nenne ihn jetzt MON Stil weil Martin ONeill der wohl prominenteste Spieler ist der den Stil vertritt und verbreitet.

    [U]Singleended Limerick[/U]
    Kurzer Tipper, manchmal mit Lederbändchen gesichert, wird in der Handinnenfläche gehalten. Ähnelt einem Glockenschägel. Tripplets u.Ä. werden durch erhöhte Schlagfrequenz erreicht. (also keine DDU)

    [U]Doubleended[/U]
    Tipper wird mittig /bei ca. 2/3 gehalten, Haupschlagende ist unten, das obere Ende wird für Trippletts und Rolls genutzt.
    [I](das ist wieder so ne Definitions - und Streitfage was ein Tripplet und was ein Roll ist...)[/I]
    Tipperhaltung wird gerne mit dem Halten einse Bleistifts verglichen.
    Es können aber dennoch alle Elemente des singleended Stils eingebaut werden, also DDU, single ended roll, prrrrr sounds etc.

    Mir ist klar daß das jetzt zu endlosen Diskussionen führen kann, aber das ist jetzt mal meine bescheidene Sichtweise der Dinge.
    Für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik bin ich natürlich sehr dankbar !

    @ Doro: ich hoffe das hilft ein bisschen weiter :))
    It´s not the drummer - it´s the drum :D "...werde auch in Zukunft keine weiteren Wuzzzzzls bauen (!))"
  • Sehr gute Beschreibung Christian !

    Meine wenigkeit spielt immer öfter den MON Stil, wobei ich Single endet spiele und mich in der oberen sowie in der unteren Region des Fell`s befinde .

    Hin und wieder rutsch ich in den Doubleendet rein und groove so rum und setz dann wieder Zeug ( Akzente) im MON Stil .

    Manche Stücke VERLANGEN geradezu nach Doubleendet , gerade alte Lieder .

    Ist es nicht herrlich das wir alle Anders und doch so gleich spielen ? ! :D

    @ Doro : Deine Trommel klingt wirklich klasse und deinen Stil, hört man auch wenn man VOR der Pinte steht ! :))

    PROOOST !!!
    Manchmal wünsche Ich mir ,
    Ich wäre wieder so wie Ich war,
    als Ich dass werden wollte was Ich jetzt bin !

    [URL=www.myspace.com/Joern74]Bei myspace[/URL]

    [URL=www.youtube.com/user/sargaffel]Videos[/URL]

  • [QUOTE][I]Original von bodhranmaker [/I]

    [U]Kerrystyle:[/U]

    Der Felltreffpunkt ist meistens über der linken Hand und wandert meistens synchron mit der linken Hand.
    [/QUOTE]
    Zuerst mal danke für die ausführliche Erläuterung!

    Zum obigen Punkt habe ich noch ne Frage: Spielt man beim klassischen Kerrystyle wirklich meistens über der Fellhand? Ich selber bin ein "Kerrystyler" und mache das schon so aber in diesem [URL=http://www.youtube.com/watch?v=O-0z7cysswU&feature=related]Video[/URL] spielt Ringo konstant UNTER der Fellhand. Rolf macht das ja auch immer wieder mal. Kurz: Was ist nun "klassischer" oder typischer für den Kerrystyle?

    Liebe Grüsse
    Christophe
  • @ Bodhránmaker: Vielen Dank für die Präzisierung der Styles, nun bin ich wieder up to date :-)
    und ganz allgemein will ich mal einen ehemaligen Bundeskanzler zitieren, der da sagte:
    [B]"Entscheidend ist, was hinten bei raus kommt!"[/B]
    Schliesse die Augen, geniesse den Tune, höre den Klang, wenn alles passt und gut ist, dann ist der verwendete Style Nebensache....
  • Leute,


    Ihr seid echt super! Doro, Christian: Toll zusammengefasst, vielen Dank!

    Yoshi: Den Spruch mit der Butter hättest Du Dir übrigens gerne sparen können. Wenn Du eine Frage hast, dann frag halt. Aber das hat Doro ja schon erwähnt...
    Zur Sache: Ich habe mir jetzt mal ein paar Videos von Kevin Coneff auf Youtube angeschaut. Das scheint mir tatsächlich ziemlich genau das zu sein, was Christian als Kerry Style beschreibt. Allerdings bin ich aus den Videos trotz Nahaufnahme des Tippers nicht ganz schlau geworden, das ist in den Videos einfach zu schnell. Ich habe den Eindruck, dass er mitunter das "obere" Ende des Tippers nicht nur für Rolls benutzt, sondern auch hier und da den Pulse abwechselnd mit beiden Tipperenden setzt. Kann das sein? Sowas habe ich bisher nur bei Ulrich "Schepper" Schäfers von Shanachie gesehen. Also, wie gesagt - nicht sicher.


    Womit wir bei der Auflistung der[b] Tipperführungsstile[/b] von Christian wären:
    Es gibt eine ganze Reihe von Exoten wie eben Schepper oder Tommy Hayes. Ob die nun hier erwähnenswert sind? Stilprägend ist das jedenfalls sicher nicht, aber doch zumindest interessant. (Bei Schepper wäre noch besonders das "Bumm-Tschi" Polka Spiel herauszuheben, was noch einmal ein anderes Thema ist. Näheres findet man schon im Forum, einfach mal die Suchfunktion benutzen).
    Und was mir noch fehlt, sind die verschiedenen Handstyles, also das Spiel ohne Tipper. Da gibt's das Spiel mit dem Daumen, das mit den Knöcheln des Zeige- oder des Zeige- und Mittelfingers. Und irgendwie gibt's auch da noch sowas wie Rolls, auch dazu verschiedenste Techniken, die ich bis heute nicht richtig durchschaut habe.

    Wer kann da noch ein wenig Licht ins Dunkel bringen???


    LG,

    Micha
  • Moin Kinners
    ich sitze in Lewiston, ME im Hotel am einzig gigfreien Tag der US Tour und freue mich sehr, wie lebendig es hier zugeht!

    Sehr schön!
    Ein paar Ideen von mir:
    Erstmal etwas provokant:
    [b]
    Es gibt keinen Stil in der Bodhranwelt![/b]

    So habe ich (und, ohne mich mit ihm in eine Reihe stellen zu wollen, auch Mel Mercier) schon einige Vorträge beendet. Nur um dann zu sagen: Vielleicht lugt da hinten ein echter Stil um die Ecke, und der heißt top end.

    Holen wir etwas aus: Die Auflistung von Christian ist schon sehr schön, hat aber einen Haken, der sich z.B. an den aufgezählten Namen zeigt: Es geht eigentlich immer um sehr individuelle Stile: Ein Eamon Murray klingt für mich sehr anders als ein JJK. Wer die neue McGoldrick CD gehört hat, wird JJK darauf schon nicht wiedererkennen, da spielt der basstöne ohne Ende, kaum mal ein snare-artiges Platsch. Trotzdem treibend und groovig. Klingt aber fast wie Jim Higgins, zumindest ist es näher dran, als an Eamon Murray. Eamon geht ganz weg vom Bass aus der Trommel, wenn e auf der Bühne Bass braucht, hat er dazu ein Stomppedal! Er hält sich noch am ehesten an dei Definition von Christian. In seinem Solo wimmelt es von technisch extrem anspruchsvollen DDUU patterns, da fallen mir die Augen aus, das werde ich aber nie spielen.

    Wenn ich mir auf die Finger schaue, dann spiele ich bei Cara alles mögliche: Schlagzeugpattern in tunes Sets und songs, Basslinien, Motorrhythmus (das Wort ist hier noch gar nicht gefallen), mal über, mal unter der Hand. Im neuen Reelset habe ich mal wieder den RWE Anfängerstick ausgepackt um einen Jim Higgings ähnlichen Sound hinzubekommen. Eine wilde Mischung also von allem, und das versuche ich auch zu unterrichten. Und so machen es es die meisten! Ich kann Individuen an vielen Dingen auseinanderhalten, aber zu einem Stil gehört IMHO eine gewisse kritische Masse von Gemeinsamkeiten, die viele
    Menschen spielen. Ich denke, dass die Klassifizierung von Christian ein guter Ansatz ist, aber zum akademischen Klassifizieren gibt es einfach (zu??) wenig Gemeinsamkeiten unter den jeweils genannten Spielern.

    Schauen wir uns die Definitionen genauer an:

    Ich denke, man kann auch im Kerrystyle Schlagzeugersatz sein und im Top end Style Basslinien spielen, gerade wenn man Christians Definitionen folgt und JJK dabei aufgeführt ist. Dann kommt der im alten Thread schon erwähnend aufgeführte Session- oder Bühneneffekt dazu: Hier mal ein Video von JJK in der Session, ist das nicht "stetig, dienend, Basis gebend, solide, harmonisch", also Kerry style?

    [URL]http://www.youtube.com/watch?v=uWXUEiFKUQ8[/URL]

    Und da wird es dann eben schwierig...
    Siobhan O'Donnell spielt mit Hot Rods und macht auch oben patsch...spielt die nun top end? Oder einfach nur wie Schiwohn!?

    Was ich sagen will: Vorsicht mit Verallgemeinerungen und Standardisierungen, es sind alles sehr individuelle Stile.

    Das einzige, was ich gut nachvollziehen kann, ist die folgendes:
    1.) Die Tipperhaltungsdefinitionen, aber auch da gibt es natürlich noch viel mehr! Tristan Rosenstock hat z.B. Ringfinger und Mittelfinger häufig vor dem Stick, nicht wie die meisten dahinter, das sehe ich in den Workshops auch öfter mal.

    2.) Gerade bei den Youngstern ein gewisser Verzicht auf Bass. Aber mit der Einschränkung, dass viele das inzwischen wieder rückgängig gemacht haben und der Weg hin zu Bass geht (JJK, der wäre froh, sich hier als Youngster zu lesen, genau wie: Junior Davey, hört mal Skin and bow und dann Skin Sound, was für eine Entwicklung!, aber Dermot Sheedy, der aus der Donal Lunny Serie und auch Colm Phelan auf der sehr empfehlenswerten Goitse Platte.). In Sessions wird der "Bass" häufig auch recht offen gespielt, was dem sehr straff gespannten Fell dann auch einiges an Obertönen entlockt, was dann häufig als störend empfunden wird.

    3.) Alles was zählt, ist der pulse ;)

    Grüße
    Der Rolf

    PS
    Hier mal etwas, was ich selten mache, aber hier passt es so gut:

    [url=http://www.bodojo.com/social/my-blog/there-is-no-l-kerry-style-r-fact.html]There is no Kerry style[/url] und ein langer Thread zum Thema [url=http://www.bodojo.com/index.php?option=com_kunena&Itemid=300072&func=view&catid=41&id=303&limit=6&limitstart=66#5608]Top-end or Kerry[/url] mit weiteren Links im letzten posting.
  • Wunderbar Rolf, danke !!!
    Ich würde aber wirklich vorschlagen es dabei zu belassen. Wir werden (zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt) keine Definition finden die alle glücklich macht.
    Mir ging es bei meiner Aufführung eigentlich hauptsächlich um das Aufzeigen der Extrembeispiele bzw. Gegensätze.
    Ich muß allerdings zugeben daß ich bei JJK gezuckt habe weil der eigentlichlich nicht mehr so richtig in dieses Schema passt. Aber irgendwie verbindet jeder ihn mit topend ;)
    Der Rest der Einteilung und Kriterien rührt ehrlich gesagt sehr viel von Gesprächen mit "Ringo" her. (dabei ist es völlig wurscht ob unter oder über der Hand ;) ) Kann sein daß ich dadurch Einiges etwas einseitig oder doch zumindest "eingefärbt" betrachte.

    Aber egal ob es nur 1 oder nur 2 oder ganz viele individuelle Stile gibt:

    Es braucht sich ja schließlich und endlich Niemand für einen Stil entscheiden. Jeder kann sich doch das rauspicken was ihm zusagt und in seinen persönlichen Stil reinpacken. Von daher sollten wir vielleicht die Einteilungen eher nach "Spielelementen" und nicht nach "Stilen" machen. Trotzdem finde ich meine Einteilung zumindest so übersichtlich bzw. sinnvoll [B][I]daß sich auch ein Anfänger mal ein Bild machen kann wovon wir eigentlich reden. Und daß man eben Tipperhaltungen nicht immer mit einem bestimmten Spielstil gleichsetzt.[/I] [/B]
    So, und jetzt ist für mich das Thema an dieser Stelle beendet. Ich sollte jetzt echt wieder lieber diese Dinger BAUEN statt sie zu ZERPFLÜCKEN *ggg* ;)
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  • [QUOTE][I]Original von bodhranmaker [/I]
    Wunderbar Rolf, danke !!!
    Ich würde aber wirklich vorschlagen es dabei zu belassen.
    [/QUOTE]

    Moin
    ach komm, einmal vor dem Schlafen gehen, darf ich noch, okay?

    [QUOTE]
    Wir werden (zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt) keine Definition finden die alle glücklich macht.
    [/QUOTE]

    Genau!

    [QUOTE]
    Ich muß allerdings zugeben daß ich bei JJK gezuckt habe weil der eigentlichlich nicht mehr so richtig in dieses Schema passt. Aber irgendwie verbindet jeder ihn mit topend ;)
    [/QUOTE]

    Eben! obwohl das vielleicht gar nicht stimmt, oder von der Definition abhängt. Daher ja auch mein Hinweis: Vorsicht mit den Kategorien. Schwupps steckt JJK in der top end Schublade, jeder verbindet ihn damit, obwohl das vielleicht gar nicht zutrifft. Das sollten wir vermeiden...

    [QUOTE]
    Es braucht sich ja schließlich und endlich Niemand für einen Stil entscheiden. Jeder kann sich doch das rauspicken was ihm zusagt und in seinen persönlichen Stil reinpacken.
    [/QUOTE]

    Ganz genau, so machen es ja alle. Ich auch ;). Dann höre ich wieder mal Jim Higgins und denke: Geilomat!! und will das auch einbauen.

    [QUOTE]
    Von daher sollten wir vielleicht die Einteilungen eher nach "Spielelementen" und nicht nach "Stilen" machen.
    [/QUOTE]

    Das finde ich eine hervorragende Idee!!

    Gute Nacht!
    Der Rolf

  • Dann darf ich aber auch nochmal :D

    Ich wollte eigentlich nur erklären warum ich mich in das Thema so "reingesteigert" habe ;) (bzw. warum es mir so wichtig ist, das mit der Tipperhaltung zu unterscheiden)

    Ich habe eine echte Spielkrise hinter mir und mir macht erst seit einigen wenigen Wochen das Bodhránspielen wieder richtig, RICHTIG viel Spaß. Und das alles "nur" weil ich meine Tipperhaltung geändert habe. Ich glaube wenn Martin ONeill nicht gewesen wäre würde ich jetzt überhaupt nicht mehr spielen. Aber das möchte ich in ein paar Wochen in einem seperaten posting mal beschreiben weil ich denke daß das ganz vielen Anfängern ganz viel helfen wird. Und auch vor allem Denen, die irgendwannmal die Trommel in die Ecke gestellt haben weil sie die Lust daran verloren haben. Aber wie gesagt, das hier nur als Erklärung warum ich mich hier so reingesteigert habe ;)
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  • Moin
    oha! Okay, da sind wir alle sicher sehr, sehr gespannt, ich bin es auf jeden Fall!

    Dann nochmal zum Thema Definitionen, das Ding von Andreas steht ja noch im Raum. Da fällt es mir etwas schwer, mich festzulegen: ich nutze z.B. auch den gesamten Tonumfang der Trommel und das machen viele andere nicht top end Spieler auch. Andererseits nutzen viele Top-end Spieler (so es diese überhaupt geben darf, siehe oben) aus meiner Sicht leider nicht den vollen Umfang aus, denn zwischen bumm (oder eher bömm ;), da die Trommel hoch gestimmt ist) und patsch pling liegen ja noch viele andere Töne. Und wenn man die Trommel etwas tiefer stimmen würde, wären da sogar noch mehr.
    Nun kenne ich Andreas ja schon eine Weile und denke, dass er nicht reinen top end spielt, sondern wie so viele andere auch mixt. Aber da müßte er dann schon selber schreiben, was ihn dazu bewogen hat, das so auf seine Seite zu schreiben. Andreas? Bist Du da?

    Auch das zeigt, dass es eben sehr schwer ist, sich da einzuordnen oder sogar am Ende noch eigeordnet zu werden.
    Für mich ist top end erstmal: Man spielt vorwiegend auf dem oberen Teil der Trommel und das Fell ist recht straff gespannt. Das kommt aber in seiner Reinform recht selten vor. Niall Preston kam der Sache recht nahe, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, was im Sommer 2009 war.
    Grüße
    der Rolf


    Grüße
    Der Rolf
  • nö, Rolf, es gibt noch was zu sagen ;)

    Doro hatte Recht: Michaela spielt tatsächlich ausschließlich doubleended tripplets. Hab sie gefragt.

    ...shame on me ! X(
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  • ...und wenn der Tipper aus der Hand rutscht , spielt man ganz easy und abgew...kocht den Handstyle.

    Macht mir auch Spaß, sollte aber zum Song oder Tune passen.

    Ich hatte ja mit Rolf schon eine kleine Disskusion über flexibele Felle und Handstyle.

    Rolf sagt : Alles geht !

    Ich meine : Bedingt , mit dem richtigen Fell oder besser , mit der richtigen Fellspannung .

    @ Micha : Du hast es angesprochen , wenn ich Handstyle spiele, nehm ich den Zeige oder Mittelfinger bzw. die ersten zwei Glieder dieser und setze Akzente mit fast allen Fingernägeln . 8o

    Rolls gehen auch , dann macht man aber immer so`n komisches Gesicht bei ! :rolleyes:

    Klingt in front of PC komisch , ist es aber nicht .


    PROOOST !!!
    Manchmal wünsche Ich mir ,
    Ich wäre wieder so wie Ich war,
    als Ich dass werden wollte was Ich jetzt bin !

    [URL=www.myspace.com/Joern74]Bei myspace[/URL]

    [URL=www.youtube.com/user/sargaffel]Videos[/URL]