Beiträge von Sir Lancelot



    witzigerweise gehts mir genau andersrum: mir fällt es viel leichter die bodhrán im stehen zu spielen, wenn ich die bässe in der oberen hälfte spiele, so liegt die bodhrán oben auf der linken hand, hab ich die hand unten fehlt mir irgendwie jede stütze ^^

    Hallo Andreas


    Das geht mir natürlich auch so, da war ich vielleicht missverständlich. Im Stehen liegt die Trommel auf Daumen/Zeigefinger der Fellhand und der Bass wird darunter gespielt.

    Was die "Spielhälften" angeht, so habe ich bei mir den Eindruck, dass ich die Bässe so ziemlich am selben Fleck spiele, egal ob die Fellhand oben oder unten anliegt.


    Viele Grüße,

    Lance

    Also bei

    wie geht es deiner werten gesundheit? ich hoffe, besser

    Danke der Nachfrage, geht besser, aber der Husten....der hat mich richtig lieb.....


    fellhand oben, fellhand unten....das sind doch alles bürgerliche kategorien

    Hihi, da musste ich echt grinsen. Findest Du das wirklich, äh, wie soll ich das ausdrücken, eine kleinkarierte Frage?


    Das lässt sich alles so schwer in Worte fassen. Mir geht es dabei sehr um die Klangunterschiede. Ich kann z.B. den Basston, wenn ich die Fellhand unten habe, noch durch drücken der Handkante/kl. Finger höher stimmen, um ihn ggf. anzupassen. D.h. ich stimme die Bodhran immer einen Tick unter der gewünschten Tonhöhe ein, denn nach oben kann ich damit noch korrigieren, nach unten gehts natürlich nicht.


    Dies gelingt mir gar nicht gut, wenn ich die Fellhand oben habe und den Basston darunter produziere (so wie Andy Kruspe es zeigt).
    Andererseits liefert die Haltung, wie Andy sie vormacht eine bequeme Möglichkeit, Basstöne, Pops und Zwischentöne sehr ökonomisch zu organisieren. Aber eben, die Basstöne haben bei mir eine bessere Qualität, wenn oberhalb der Fellhand gespielt.


    Viele Grüße nach Diyarbakir (hört sich weit weg an..)

    Lance

    Hallo


    Dieses Thema beschäftigt mich, seitdem ich mir die ersten Bodhran-Videos auf YouTube angeschaut habe. Als Anfänger ergibt sich ja schon mal grundsätzlich die Schwierigkeit, dass in den meisten Videos nicht beide Hände gleichzeitig zu sehen sind.

    Wie und wo produzieren die eigentlich diese Tonvielfalt? Das ist mir lange unerklärlich geblieben.


    Jetzt, wo für mich diese Frage vom Grundsatz klar ist, bleibt die Faszination, dass jede(r) Spieler(in) eine eigene Art hat, mit der Fellhand zu intonieren. Für mich hat es darüberhinaus den Anschein, dass sich die Spieler grob unterteilen lassen in diejenigen, die hauptsächlich oberhalb bzw. unterhalb des Felles spielen, vor allem die Basstöne.

    Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, aber viele der irischen Topspieler spielen doch eher unterhalb, oder? Ist das eine Art "Schule", die das hervorbringt?


    Ich habe immer oberhalb der Fellhand geübt. Das ist mir irgendwie logischer oder kommt mir organischer vor. Bei mir klingen die Basstöne auch viel voller auf diese Art, das kriege ich unterhalb gar nicht hin. Trotzdem frage ich mich, wie es dazu kommt und welche Gründe es geben mag, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Auch Rolf und Guido haben ja unterschiedliche Ansätze, was die Fellhandtechnik betrifft, das finde ich auch sehr spannend zu sehen. Es spiegelt die o.g. Vielfalt.

    In Proitze ist dieses Jahr wohl genauer auf die Intonation eingegangen worden, habe ich so nebenbei vernommen. Ich konnte leider nicht dabei sein.


    Eines ist schon mal klar. Wenn man unterhalb spielt, kann man die Bodhran besser im Stehen spielen und halten. Aber das kann ja nicht alles sein.


    Bin gespannt, was ihr für Erfahrungen und Beobachtungen zu dieser Frage gemacht habt.


    Viele Grüße,

    Lance

    Hallo

    Diese Diskussion um das tappen ist mit so vielen Ansichten sehr angeregt geführt worden. Der Senf ist in Strömen geflossen, da machts doch sicher nix, wenn ich auch noch einen Klacks dazu gebe.


    Ich fange mal von einer ganz anderen Seite an. Ich bin über die Bodhran zur irischen Musik gekommen und nicht umgekehrt. Als klassisch ausgebildeter Musiker empfinde ich die irische Musik mitreißend, natürlich und vital, total ansteckend. Dazu trägt auch die performance viel bei. Gewundert haben mich dabei schon immer die unterschiedlichen körperlichen Ausdruckspaletten der einzelnen Instrumentalisten. Und zwar unabhängig von der Leistung, die erbracht wird. Da gibt es z.B. Banjospieler, die so unglaublich virtuos spielen können, dass man gar nicht weiß, wie das überhaupt geht. Wahnsinnig präzise, mit drive ohne Ende und ohne Fehler! Bewundernswert. Sie sitzen aber da wie eine Bildsäule, mit versteinertem Gesicht, voll konzentriert. Da bewegt sich gar nix außer dem, was zur Tonerzeugung benötigt wird. Das habe ich schon bei vielen Zupfinstrumentalisten gesehen, die mich vom Hocker gehauen haben (z.B. bei einem Flamenco-Gitarristen, voll der Hammer!)

    Da gibts aber für jedes Instrument Beispiele. Man hat das Gefühl, dass jemand spielt und nicht die Welt bewegt, sondern die Welt dreht sich um ihn/sie. Faszinierend.


    Was ich sagen will, Innen und Außen sind nicht zwingend gekoppelt. Musikalität kann man erst Recht nicht an einem zusätzlichen körperlichen Einsatz ablesen. Was bühnenwirksam und animierend auf das Publikum wirkt, ist eine andere Sache, das ist Show und gehört klar auch zum business. Aber eben, es kann auch eine ganz minimalistische performance ungeheuer Eindruck machen. Wer also vom tappen auf musikalisch, rhythmische Kompetenzen schließen möchte, der sollte lieber die Augen schließen und dem Ohr die Beurteilung überlassen.


    Bei manchen Spielern habe ich den Eindruck, dass das hörbare tappen oft als perkussives Element bewusst verwendet wird. Cormac Byrne wäre so ein Beispiel. Er hat auch oft einen Schellenkranzauf dem Boden montiert, den er mit dem Fuß bedient. Darin zeigt er sich als echter drummer. Niemand würde darin vermuten, dass er das braucht, um rhythmisch stabil zu spielen.


    Es ist also noch einmal zu unterscheiden zwischen dem hörbaren tappen auf dem Fußboden und dem nicht hörbaren Wippen mit aufgesetzter Fußspitze. In beiden Fällen halte ich es für absolut entscheidend, dass man auch ohne Fußeinsatz genauso selbstverständlich und sicher spielen kann. Wenn das nicht geht, dann ist der Fuß nichts anderes als eine Krücke. Fällt die weg, läuft es nicht mehr.

    Es gibt bestimmte Situationen, wo ein hörbares tappen unerwünscht ist. Man stelle sich mal eine session vor, wo alle stampfen, naja. Außerdem, wer tappt, der führt, der ist dominant, kein "Begleiter" stampft mit dem Fuß....


    Viele der besten Bodhranspieler zeigen eine engagierte Beinarbeit. Ob sie das wirklich brauchen? Keine Ahnung. Es ist vielleicht eher eine Frage des persönlichen Ausdrucks, ein Ableiten des inneren Engagements, ein Energieventil. Klar, helfen tut es auch. Es ist in jedem Fall authentisch, das ist meine Überzeugung, denn das macht/kann nur der, der es für sich will. Schließlich muss die Fußmotorik dafür auch trainiert sein, den Händen einen sicheren Impuls vorzugeben.


    (Oder ist es vielleicht schon eine Konvention?)


    Demnach soll doch jeder seine Art zu spielen erschließen. Wer mit der Beinakrobatik Schwierigkeiten hat, kann auch dezent mit Oberkörper und Kopf wippen, geht auch. Und Geschackssache ist es allemal.


    Mir persönlich gefällt es mehr, wenn der Bodhranspieler in der Formation sich agiler zeigt und damit einen erfrischenden Gegenpart zu den etwas statischeren Ensemblemitgliedern einnimmt. Außerdem, und jetzt bin ich mal fies, zeigt die Körperaktivität auch an, dass er tatsächlich spielt. Manchmal ist die Bodhran etwas zu dezent abgemischt, da hört das Auge mit.


    Zuletzt noch zur Begrifflichkeit. Es ist viel von "Takt halten" die Rede. Jeder weiß, was damit gemeint ist, aber es ist dennoch, nun ja, eine Bezeichnung, die eigentlich nicht existiert. Ein Takt ist das, was zwischen zwei Taktstrichen in einem Musikstück auf dem Papier steht. Also eine Ordnungseinheit. Die kann man nicht halten. Diesen Ausdruck einfach vergessen und stattdessen von Tempo sprechen, dann stimmts.


    Rhythmus und Tempo sind hingegen auch wieder zwei verschiedene Sachen. Man kann im Tempo spielen, aber trotzdem unrhythmische Figuren. Oder umgekehrt rhythmisch, aber nicht im Tempo. Das schließt sich nicht aus.

    Hier schien es mir aber wohl eher um das Tempo zu gehen. Für mich ist es die höchste Anforderung, das Tempo zu treffen, halten zu können und vor allem auch ausgleichen zu können, wenn es sein muss. Was nützt es, wenn man metronomisch genau spielt, aber die anderen sind woanders. Andererseits ist es auch sehr schwer, schnurgerade anzuführen. JJK ist einer, der das nicht nur kann, sondern die Absicht auch mit jeder Faser vermittelt.


    Boah, wat fürne Senfsoße is dat jeworden....

    Das kommt davon, wenn man krank im Bett liegt und Zeit hat.


    Viele Grüße,

    Lance

    Hallo zämme


    Auf die Frage eines Schülers: Soll ich es so oder so machen? antwortet ein guter Lehrer am besten: erst mal beides können, dann entscheiden.

    Wem also die bemerkenswerte Fähigkeit offen steht, ein Solo ganz frei aus dem Ärmel zu schütteln, dem sei herzlich gratuliert, super! Ob strukturiert oder nicht, erst mal muss das Ding ohne Stocken und Sackgassen über die Bühne. Im stillen Kämmerlein gelingt das schon mal, aber auch, wenn da ein Mikrophon steht? Bei mir fängts dann an zu hirnen und schon gibts das eine oder andere Gestolper. Aber das muss ja nicht jedem so gehen...


    Am besten ein sehr gut einstudiertes Solo aufnehmen und dann mal etwas Freies aus dem Stand. Das müsste sich doch im besten Fall gut befruchten. Dasselbe denke ich übrigens auch von der Begleitung. Allerdings ist da ein Stolpern für die crew noch heikler. Aber egal wie, üben ist immer angesagt, und am besten lernt man durch Fehler ist meine Erfahrung.


    VG

    Lance

    Hallo beanna


    "Es ist entscheidend, dass das Spielgefühl fast so ist wie auf dem Fell. Bei mir findet das so auf 4 und 5 Uhr für Down und Ups statt"


    Hups, ja, ist bei mir tatsächlich so, bin nämlich Linkshänder.

    Also für Rechtshänder dann auf 8 und 7 Uhr, ungefähr.😎


    VG

    Lance

    Hallo beanna


    Sonne? Ja gerne, immer nur her damit!


    Also die berühmten rim shots. Ich nenne sie ja lieber rim clicks, aber die Diskussion ist schon woanders geführt worden, glaube ich.


    Meine Herangehensweise ist die, dass ich versuche, auf dem Rand Down und Ups ganz gleichmäßig zu spielen, wie auf dem Fell. Dadurch ergibt sich natürlicherweise eine Position, Deine persönliche Position, wo die clicks, sorry kanns nich lassen, locker laufen. Klar, das geht eher unten am Rand, wie Rolf schon sagte.

    Es ist entscheidend, dass das Spielgefühl fast so ist wie auf dem Fell. Bei mir findet das so auf 4 und 5 Uhr für Down und Ups statt. Dann empfehle ich so zu üben, dass man zuerst auf dem Fell locker spielt und langsam zum Rand hinwandert, bis man ganz auf dem Rand spielt und wieder zurück. Hin und her, bis es sich gut anfühlt. Dabei muss man die Bodhran etwas weg vom Körper bewegen bzw. rollen, klar.

    Wenn das gut läuft, dann kann man versuchen, einen oder zwei oder drei Clicks (beim reel) zu spielen d.h. schneller nach außen zu schwenken. Die Position ergibt sich daraus wie selbstverständlich. Damit kann man sich dann sehr viel beschäftigen, patterns basteln usw. Das steht auch bei mir noch auf der to do Liste.

    Vielleicht hast Du ja Lust, es so zu probieren.


    Viel Spaß,

    Lance



    Hallöchen


    Ich habe mir die Aufnahme angehört und den Schlagabtausch wie ein Ping Pong-Spiel mit Erstaunen verfolgt. Und da fällt mir spontan, aber auch nach mehrmaligem Ansehen/Anhören, auf, dass dies wirklich eine sehr ansprechende Aufnahme ist. Mir ist vor allem die gelungene Kameraführung aufgefallen und die subtile Beleuchtung, da hört das Auge mit! Eine sehr einfühlsame Art, ein Duo räumlich intim einzufangen, sehr bemerkenswert, bravo! Die Tonqualität und die Balance habe ich für gut befunden, harmonisch, angemessen, echte Kammermusik (in wahrstem Sinne). Also insgesamt eine erstaunlich runde und fesselnde Aufnahme in Ton und Bild.


    Aber jetzt zu der Kritik am sound. Wer als versierter Tontechniker (Laie oder Meister) weiss, was alles möglich ist und eine entsprechende Erwartung hat, der wird gerade in solchen adhoc- Aufnahmen sofort etwas finden, was nicht optimal / ideal klingt. Das ist dann ein anderer Focus. Dafür habe ich auch Verständnis, insbesondere weil meine Ohren anders geeicht sind, nämlich zum Beispiel auf das versierte und sehr variantenreiche Spiel von Rolf. Aber wenn ich mich explizit darauf verlege, Mitten und Höhen hören zu wollen, ja dann könnte ich auch noch Wünsche haben. Nur kommt es mir nicht so drauf an, dazu ist das GANZE einfach zu stimmig.


    Die Frage ob zu laut oder zu leise ist ja auch z.T. eine Sache des Focus. Allerdings ist mir auch schon aufgefallen, dass es Aufnahmen gibt, wo die Bodhran sehr, allzu sehr dezent im Hintergrund plätschert. Irgendwie habe ich da den Eindruck, dass es eine Frage des Bandprofils sein könnte, ob die Bodhran als Element tragen soll oder nur verzieren soll. Das ist sicher eine Geschmacksache, aber auch eine Frage der Funktion. Darf die Bodhran auch mal führen oder soll sie nur als Beiwerk dienen? Für mich als Einsteiger in die Bodhran-Welt eine spannende Frage.
    Vielen Dank für den kontroversen Austausch, mir hat er was gebracht!