Examensarbeit zu Komposition für Bodhrán

  • Hallo Alle,


    nachdem ich nun die Zustimmung von Alan Colinson erhalten habe, zwei seiner Stücke im Anhang der Arbeit zu lassen, habe ich meine Arbeit einmal in eine dropbox geladen und lasse euch den Link hier. Bitte sagt bescheid, wenn der download nicht klappt.


    Thematisch geht es im ersten Teil um die Frage, was Komposition ist. Der zweite dürfte interessanter sein, weil darin recht umfänglich vieles, was mit der Bodhrán zu tun hat, abgehandelt wird. Das geht von Herkunft und Geschichte über Spieltechnik bis hin zu möglichen Notationsformen und der Rolle der Bodhrán in Sessions. Zuletzt gibt es noch ein paar Erläuterungen und die Partitur zu der Komposition, zu der die Arbeit eigentlich nur eine Begleitschrift ist und die ich hier hochgeladen habe. Sowohl meine Gutachter als auch ich selbst finden den schriftlichen Teil der Arbeit allerdings gelungener als den akustischen.


    Wie auch immer, vielleicht findet ihr ja Freude oder Erkenntnis oder so an dem Ganzen.

    Paul

  • Konnte nicht widerstehen und habe schon mal angefangen.

    Bei der Geschichte der Bodhrán finde ich es sehr schade, dass die hervorragenden Artikel von Liam Ó Bharáin in Treoir keine Berücksichtigung finden. Zumal ich intensiv auf meiner Seite darauf hin weise. Das hat Robinson auch schon ignoriert.

    Hier der frei verfügbare erste Teil:

    https://comhaltas.ie/music/tre…igin_meaning_and_history/


    Und der Link zu meiner Seite:
    https://www.bodhran-info.de/de/die-bodhran/geschichte

    Da wird dann auch deutlich, dass es vor den 60ern schon einiges gab, dass Bodhráns in Sessions auftauchten, dass in den 20er Jahren schon Bodhrans hergestellt wurden und natürlich, wenn man weiter zurück geht, was Wort bodhrán im Sinne von Trommel schon im 15. Jhd. gebraucht wurde. Da wissen wir natürlich nicht, wie die Trommel, auf die sich dort bezogen wurde, aussieht.
    Aber das in immer mehr wissenschaftlichen Schriften diese Veröffentlichungen ignoriert werden, finde ich sehr schade und tut der Sache, gerade bei den wenigen Quellen, sicher nicht gut. Ich habe mich schon mit Cody Robinson darüber ausgetauscht, die es im Nachhinein auch sehr bedauert.


    Zitat

    Bisher waren die irischen Tunes zwar reichhaltig verziert, aber doch unbegleitet gespielt worden

    Das ist so aus meiner Sicht nicht haltbar, hier eine Quelle:






    Das soll O'Riadas Einfluss und Leistung natürlich nicht schmälern. Aber seit Liam O Bharáin wissen wir eigentlich, dass es vor O'Riada viel mehr gab, als man bis 2006 so glaubte. Du schreibst selbst ja später:


    Zitat

    Die Bodhrán wird seit dem Aufkommen der ersten Sessions in den USA und Irland in den 1930er Jahren auf denselben gespielt und ist damit recht eindeutig Teil der irischen Tradition


    Ansonsten eine, wie ich finde, tolle Arbeit, Hut ab! Besonders die Beschreibung der Spieltechnik und der Komposition ist aus meiner Sicht sehr gelungen.

    Grüße

    Der Rolf



    PS

    Weitere Quellen für Hinweise in Wörterbüchern vor den 60ern:

  • Hallo Rolf,


    erstmal danke für die (im großen und ganzen doch) lobenden Worte.


    Nach einem Dreivierteljahr weiß ich es nicht mehr ganz genau, aber ich glaube, den Artikel in Treoir hatte ich zwar gefunden und gelesen, aber dann nicht benutzen können, weil er - zumindest in der Form, in der er auf der Seite liegt - den wissenschaftlichen Standards nicht genügt. O Bharáin referenziert zwar Quellen mit Nachnamen und Jahr, es findet sich aber keine Literaturliste, in der die Referenzen aufgeschlüsselt wären. Die ist aber nötig, damit nachprüfbar ist, wo das entsprechende Wissen herstammt. Rückblickend wäre es sicher sinnvoll gewesen, die Leute von Comhaltas zu kontaktieren, ob vielleicht irgendwie noch eine Druckausgabe erhältlich ist, in der die Literaturliste wahrscheinlich dringewesen wäre.


    Dass die Tunes vor O´Riada unbegleitet gespielt worden sein sollen, habe ich etwas zu kritiklos aus meinen Quellen übernommen. Dabei besitze ich sogar den Sampler "Farewell to Ireland", auf dem sich eine ganze Menge Beweisaufnahmen für das Gegenteil befinden. Asche auf mein Haupt.


    Paul

  • Im Prinzip ja, aber nur, wenn du das ganze sowieso schon digital und mailfertig hast. Ich plane keine weitere wissenschaftliche Veröffentlichung, und für mich privat sind die Referenzen eher nicht so wichtig. Steht denn im print noch erheblich mehr als auf der Seite?

  • Super, vielen Dank! Ist ja dann doch umfangreicher als gedacht. Ich glaube die Downtime des Forums und meine Arbeitszeit lagen einfach zu lange Zeit - und vor allem zu Beginn der Bearbeitungszeit - zusammen, sonst hätte ich zu Beginn auch hier nach Quellen gefragt und O Bharáin wäre jetzt in der Arbeit drin. Bad Luck.

  • Schade ists tatsächlich, und ich meine auch, ich hätte die Auszüge auf deiner Seite gesehen, aber dann wegen fehlender Referenzen nicht mit aufgenommen. Ich habe den Leuten von Comhaltas gerade geschrieben und gefragt, ob sie den Online stehenden Teil nicht wenigstens um die Literaturliste oder einen "Bestellen Sie hier den kompletten Artikel hier"-Link oder gar direkt um den kompletten Artikel erweitern könnten. Mal schauen, was die dazu sagen.

  • Huhu,


    lese auch gerade ein bisschen quer in deiner Arbeit.


    Frage:


    Du schreibst:

    "Rolls sind eine Art der Verzierung in der irischen Musik, die auch triplet genannt wird. Es handelt sich hierbei um das Einfügen zweier Noten, die doppelt so schnell gespielt werden wie die sonstigen Down- und Upstrokes, also beispielsweise zweier Sechzehntelnoten in eine Kette aus Achteln" (S. 19)


    Das ist meiner Meinung nach falsch. (Zumal man darüber diskutieren könnte, ob es einen Unterschied zwischen "rolls" [wie sie die schottischen Trommler verstehen] und "triplets" gibt, aber da bin ich nicht die Richtige für... ;) )

    Ich meine, mit einem Triplet setzt man drei Schläge auf die Zeit von zweien. Also fügt man EINEN Schlag ein.


    Bsp. Jig:

    eins zwei drei vier fünf sechs

    eins zwei drei tri-pe-let sechs


    Bsp. Reel:

    eins und zwei und drei und vier und

    eins und zwei und tri-pe-let vier und


    Aber welcher Korrektor weiß das schon! :D

    Von daher Gratulation zur Abgabe!

    Liebe Grüße!

    Doro

    in dubio pro REELS 8)

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  • Nachtrag:

    Hab noch etwas weiter gelesen und dann den obigen Teil nochmal...

    Genau: Das, was du mit Triole meinst ist doch das Triplet, was wir spielen. Das, was du roll nennst ist die Verdopplung und meines Wissens nach das, was die schottischen Snaredrummer spielen.

    Gabs mal vor 1000 Jahren hier im Forum ne Diskussion, die ich damals zu kompliziert fand, um mir das alles im Detail zu merken... ;)

  • Nachtrag 2:

    (Wie du merkst fasziniert es mich... ;) )


    Hab mir deine Komposition auszugsweise angehört, gerade das Ende kannst du ja so auf der nächsten Dancehall-Party abspielen, da werden die Leute steil drauf abgehen!

    Dabei meine ich herauszuhören, dass du deine Rolls tatsächlich so spielst, wie du sagst. Also verdoppelt. Klingt für mich typisch nach diesem pipes&drums-Sound, fast wie Mini-Trommelwirbel. Ist meiner Meinung nach aber nicht das, was man (=ich) klassischerweise bei einer Session als Triplet spielen würde. (siehe oben)


    Jetzt bin ich aber ruhig, versprochen.

    Liebe Grüße

    Doro

  • Doro : Schön, dass dich dieses Thema so bewegt. Im Prinzip sagst du schon alles selbst: Es gibt eben mehrere Auffassungen darüber, was ein Roll nun genau ist und ob er das gleiche ist wie ein Triplet. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Wort ein anderes ist oder ob das Phänomen eine Triole oder eine anders platzierte Einfügung einer zusätzlichen Note bedeutet. Es kommt noch dazu, dass das Wort roll auch unter Schlagzeugern benutzt wird und dort tatsächlich für den Trommelwirbel benutzt wird. Dazu hatte ich auch eine Diskussion mit einem meiner Gutachter, der den Roll nur daher kannte und deswegen meinte, es mache keinen Sinn einen Roll in langsamem Tempo zu spielen, weil es ja dann kein Roll (im Sinne von Trommelwirbel) mehr sei. Dass das Wort im Bezug auf die Bodhrán eine andere Bedeutung hat, wusste er nicht. Weiß er aber nun :)


    Zurück zur Ausgangsfrage: Ich glaube, da handelt es sich um ein Missverständnis. Du hast Recht damit, dass nur ein einziger Anschlag dazukommt. Die Frage ist dann, wo genau dieser Anschlag rhythmisch platziert wird. Dabei gibt es die (von dir vertretene), dass der eingefügte Anschlag die ganze Einheit zur Triole macht und die (von mir vertretene), dass der eingefügte Anschlag genau zwischen zwei anderen Anschlägen passiert. Wenn man das jeweils in Noten aufschreibt, ergibt sich das, was im Anhang steht. In der von mir vertretenen Variante sind zwei 16telnoten zu sehen. Es wird zwar nur ein Anschlag hinzugefügt, der sorgt aber dafür, dass der vorhergehende Anschlag nur halb so lang klingen kann und deshalb als 16tel notiert wird. Ganz offiziell wird also eine Note eingefügt und die vorhergehende durch eine halb so lange ersetzt. Das hatte ich (etwas verkürzend) gemeint, als ich vom "Einfügen zweier Noten" schrob.


    Es wäre wohl tiefergreifende Feldforschung nötig, um herauszufinden, was nun öfter unter den Begriffen Roll und Triplet verstanden wird und was dann tatsächlich gespielt wird. Außerdem ist es bei höheren Tempi wirklich schwer herauszuhören, ob das nun gerade eine Triole oder zwei 16tel + eine 8tel waren. Ich meine aber (völlig unfundiert, nur in eigener Erfahrung) die meisten Rolls auf Sessions und Konzerten als zwei 16tel + 8tel gehört zu haben. Ich such mal nach der Diskussion, die du ansprachst.


    ROLF : Die Comhaltas-Leute waren so nett, mir den Artikel per mail zu schicken. Außerdem gabs den Hinweis auf die Seite comhaltasarchive.ie auf der es die kompletten Treoir Magazine zum Download gibt. Ich frage nochmal, ob die das vielleicht auf der Seite mit dem ersten Teil des Artikels verlinken können. Das wäre ja vielleicht auch etwas für Deine Seite. Es lässt sich nur leider kein Direktlink zu den pdfs erzeugen, sondern man muss auf der Seite auf "Browse as a Guest", dann in der Suchmaske nach "Treoir" suchen und im Reiter "Documents" nach Vol 39 Uimhir 4 und Vol 40 Uimhir 1 und 2 suchen. Etwas kompliziert, aber funktioniert.

  • Hallo,


    "Rolls sind eine Art der Verzierung in der irischen Musik, die auch triplet genannt wird. Es handelt sich hierbei um das Einfügen zweier Noten, die doppelt so schnell gespielt werden wie die sonstigen Down- und Upstrokes, also beispielsweise zweier Sechzehntelnoten in eine Kette aus Achteln" (S. 19)


    So wie er das schreibt ist das schon richtig. Wenn ich in einer Reihe von Achteln zwischen zwei Achtel noch eine dazwischenhaue (z.B. mit dem oberen Ende des Tippers) und ansonsten meinen count beibehalte, dann mache ich aus der ersten Achtel zwei Sechzehntel und die zweite Achtel bleibt wie sie ist. Zusammen klingt das dann zwar als Dreiergruppe aber die dritte Note im Bunde ist tatsächlich witerhin eine Achtel. Wäre sie auch eine Sechzehntel, würden wir vier schnelle Schläge hören, da die dritte Sechzehntel ja den darauffolgenden Schlag an sich heranziehen würde.


    Da ich grad kein Notenbild hier einfügen kann mal kurz quick and dirty:


    8/8 durchgespielt:

    D___________U____________D____________U __________D____________U__________D____________U

    1/8_________1/ 8__________1/8_________ 1/8_________1/8__________1/8_________1/8__________1/8 = 1/1


    8/8 mit einem roll (tri-pe-let) drin:

    D___________U___________ D___________ U___________D_____B _____U__________D____________U

    1/8_________1/8__________1/8__________1/8_________1/16__1/16__1/8_________1/8__________1/8 = 1/1



    Will man tatsächlich drei Schläge in der Zeit von zweien spielen müsste man statt 2 mal 1/8 im selben Zeitintervall 3 mal 1/12 spielen. Das wäre dann wirklich ne Triole (ich glaub in der Notation als 8tel Triole geschrieben) aber korrekt ausführbar nur im Expertenmodus. Echte Triolen im 4er oder 8er Rhythmus klingen immer etwas geschleppt, da sie ja nicht ins gerade Taktschema passen.


    Somit bedeuten die Begriffe Rolls, Triplets und Verdopplungen wie wir sie für gewöhnlich spielen meiner Meinung nach alle das gleiche und habe nichts mit wirklichen Triolen zu tun.


    Guido hat dieses Jahr in Proitze 16tel Triolen in sein Polka-Pattern eingebaut indem er seinen Double-end Roll beschleunigt hat und damit noch Platz gemacht hat für einen Schlag mehr. Somit hat er drei Schläge in einen 1/8 Downstroke gequetscht (Down - Backend - Up) und die nächste Achtel (die normal der Upstroke wäre) als Instroke gespielt. Danach gings normal weiter. Ist ein cooles Pattern, das ich immer gerne mal wieder übe, da man den Downstroke echt mit Schwung runterreißen muss. Ich spiel ja sonst eher single end aber dabei bin ich mal gezwungen, das Stickende mit einzusetzen.


    Gruß,

    Micha



    Nachtrag:

    Ich hab gerade nochmal drüber nachgedacht, und bin drauf gekommen, dass Doro durchaus auch Recht hat. Drei Noten im Raum von zweien muss ja nicht unbedingt heißen, dass die gleich lang sein müssen. Man kann es ja auch so sehen, dass man aus zwei langen Noten zwei Kurze und eine Lange macht. Aber das hat Paul ja weiter oben auch schon dargestellt.


    Sehr schöne Arbeit, insbesondere wie schon von Rolf erwähnt die Teile Spieltechnik und Komposition.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Michael H. ()

  • Kleiner Nachtrag noch zu der Triplet-Sache: Falls euch der Name Michelle Stewart etwas sagt (oder auch nicht), die hat ein bisschen Material auf youtube. Sie bringt den Roll hier tatsächlich als Triole bei und spielt ihn, wie hier ca. bei 1:40 hörbar, auch in höherem Tempo selbst so. Sie soll aber nur als Beispiel für den Triolen-Roll dienen. Gerade was die Tipperhaltung angeht, sollte man sie mmn keinesfalls als Vorbild nehmen. Mir tut vom Zuschauen schon das Handgelenk weh...