Bodhran selbst gebaut - jetzt brauch ich mal Meinungen zum Finish

  • Hallo liebe Gemeinde,


    ich bin grad dabei, mir eine Bodhran selbst zu schmieden. Bevor jetzt die Bedenkenträger vorpreschen und meinen, dass sich das nicht lohnt - doch, tut es. Es geht dabei ja nicht hauptsächlich darum Geld zu sparen, sondern um den Spaß an der Sache und die Freude mal wieder was Tolles erschaffen zu haben. Naja, und rumbasteln ist nun mal seit >20 Jahren eines meiner Haupthobbies. Hauptsächlich im Bereich selbst konstruierte Flugmodelle.


    Nun aber mal zum Eigentlichen: Ich habe außen eine Lage Furnier Olivesche drauf und habe gerade den letzten Schleifgang beendet. Eigentlich wollte ich das ganze dann grün lasieren und ölen. Jetzt sieht das Holz aber schon sehr geil aus und ist richtig samtig, ein richtiger Handschmeichler. Ich hab jetzt ehrlichgesagt Hemmungen die Lasur draufzupanschen.
    Ich hätt gern mal ein paar subjektive Meinungen. Was würdet ihr machen? Grün lasieren oder natur lassen? Auf dem Bild unten ist eine Arbeitsprobe, wie es aussehen würde mal zum Vergleich.
    Zweite Frage: Wenn ich es natur lasse, wie kann ich das Holz konservieren, ohne dass es dunkler wird (passiert beim ölen) und so dass es matt bleibt. Ölen oder wachsen hinterlässt ja eher eine glänzende Oberfläche. Hat jemand nen heißen Tip?


    Gruß,
    Micha


  • Ui, tolles Projekt!
    Und der Rahmen sieht auch schonmal sehr schick aus.
    Ich bin eigentlich ein Naturholz- Fetischist, aber bei diesem Grün würde ich schwach werden. Das wäre etwas besonders Besonderes!
    Zum Finish fällt mir nur Mattlack ein...Gesprüht, nicht gestrichen, in vielen dünnen Schichten mit viel Zeit zum Trocknen?

    ...and I never will play the Wild Rover no more!
  • Servus Micha,


    schöner Kessel, den du da gebaut hast!


    Also grundätzlich bin ich ja ein Freund vom Naturholz. Aber da kommt ja das Problem ins Spiel, welches Du schon angerissen hast. Nicht nur, dass es durch das Ölen/Lackieren dunkler (angefeuert) wird, gibt es noch das Vergilben/Nachdunkeln durch UV-Einstrahlung. Es gibt zwar Lacke mit UV-Schutz, jedoch ist das meiner Meinung und Erfahrung nach nur eine Frage der Zeit, bis es doch dunkler oder gelber wird.
    All diese Probleme sind bei einem lasierten Kessel deutlich kleiner UND eine Lasur mit anschliessend Öl kann man immer wieder erneuern. Zwar nur in der gleichen Farbe, aber immerhin.
    Nicht zu vergessen dass man mit den richtigen Produkten auch ziemlich ungiftig arbeiten kann, was bei Lacken ja auch immer ein Problem ist.


    Ich persönlich würde den Kessel zwar farblos ölen weil mir das anfeuern des Holzes gefällt, aber das ist ja Geschmacksache.


    Ich freu mich schon auf das Foto von der fertigen Trommel.


    Gruß
    Stevie

    "Und sie drehen sich doch!!!" [url]www.tippermaker.eu[/url]
  • Hi Micha,


    ich finde die Naturholzfarbe hier besser als eine Farblasur. Ich würde die Oberfläche auch so beibehalten wollen und möglichst matt lassen.

    Farbe ist Geschmackssache - Farben kommen und gehen. Klassische Holzoberflächen bleiben immer modern. Und Du hast da eine schöne Maserung.


    Gruss Thomas

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    und es macht bumm bumm bumm, benge bumm bumm, ich hab`ein Herz aus Schokolade
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  • So! Nu isses passiert. Jetzt isse grün. Danke für eure Tips und Überlegungen, obwohl ich mich wohl gegen den Rat der Mehrheit entschieden habe. Es war nicht leicht.
    Der Naturfarbton hat mir gefallen, weil er so schön hell ist. Dafür hätte ich aber auf eine Oberflächenbehandlung verzichten müssen. Ölen oder Lackieren hätte es auf jeden Fall dunkler gemacht. Und "nackig" lassen war mir einfach zu gefährlich (Dreck, vergilben etc).
    Ich bin da nah an der Argumentation von Gyde. Bei dem grün bin ich einfach schwach geworden und grün ist nunmal meine Lieblingsfarbe. Also ich find's super jetzt. Die Farbe ist noch etwas knackiger als auf der Arbeitsprobe, ohne dabei aufdringlich zu sein. Ich hab dann nicht geölt sondern seidenmatten Acrylklarlack mehrschichtig aufgetragen. Ich kann ja nochmal ein Bild machen wenn das Fell drauf ist.


    Gruß,
    Micha

  • Färtig!
    Na gut, noch nicht ganz. Das wichtigste Bauteil fehlt noch. Und da geht mir grad ein wenig die Puste aus. Kennt jemand ne Quelle für ein richtig gutes Fell oder hat noch eins rumliegen? Hinweise gern auch PN.
    Ich vermute mal, eins vom Djembéschmied vor Ort wird wohl nicht das Richtige sein.


    Hier noch zwei Bildchen:




    konischer Stimmrahmen. Bei der Textilauflage habe ich weder Kosten noch Mühen gescheu gehabt. Das ist Edeka-Tragetasche, nur vom Feinsten eben.


    Gruß,
    Micha

  • Also, ich finde, das sieht super aus!!! Schönes Grün, schöne Oberfläche. Glückwunsch!
    Wegen Fell solltest Du Dich wohl an unser aller Lieblings- Ziegenpapa Christian Hedwitschak wenden.
    Allerdings wird er jetzt die Woche auf Craiceann unterwegs sein.
    Oder hast Du da schon angefragt?

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  • Ja WIE GEIL ist DAS DENN ???????


    Ey, da können sich ja sogar einige meiner Kollegen eine dicke Scheibe abschneiden !!!!!!!!!!!!!


    Sehr vernünftiger Stimmrahmen ! ;)
    Ist das ein zweigeteilter Stimmrahmen oder wie ? Wie hast denn den gemacht ? Und die Beschläge ? 3D Drucker ?


    RISSPÄKT Alter, RISPÄÄÄÄKT !!!!!

    It´s not the drummer - it´s the drum :D "...werde auch in Zukunft keine weiteren Wuzzzzzls bauen (!))"
  • Ich hoffe jetzt mal, das war nicht ironisch gemeint. Die Frage mit dem 3D-Drucker is schon bissl gemein.
    Nein, die Blöcke mit dem Gewinde für die Stimmschrauben sind aus Buche, der Rest aus finnischem Birkensperrholz in so ner Art Wickeltechnik über eine innenliegende Form hergestellt. Während des Wickelns wurde permanent angeschäftet, so dass das im Prinzip ein etwa 6m langes aufgewickeltes Sperrholzband ist. Für den Stimmrahmen wiederum habe ich den Korpus als außenliegende Form benutzt mit einer temporären Beilage aus Balsaholz um ein gewisses Spiel zwischen den Ringen zu gewährleisten. Der konische Teil entstand ebenfalls aus Sperrholz als Kegelstumpfmantelflächenabwicklung, welche dann wieder als Kegelstumpfmantelfläche in den Stimmrahmen eingeklebt wird. Alles klar? :whistling:
    Die Blöcke sind demontierbar, damit man später trotz aufgezogenem Fell noch den ganzen Stimmmechanismus nach hinten rausziehen kann, falls mal was kaputtgeht oder anderweitig nicht funktioniert. Bei so selbstgebasteltem Zeug weiß man ja nie. Ansonsten noch 18 Gewindeeinsätze aus Messing, ne Hand voll Schrauben und ein Blatt Eschefurnier --> fertig.
    Der Apparat wiegt jetzt kernige 2160g bei 40cm x 14cm Korpusabmessung.


    Im Schnitt sieht der Stimmrahmen etwa so aus:


    Gruß,
    Micha

  • Ich versteh dich voll und ganz ! Wahnsinn !!!! Fängt der Mann echt mit Kegelabwicklung an ! KRASS !!! Ey, das ist mit ABSTAND das Durchdachteste, das ich je von einem Hobbybauer gesehen habe und ich wage zu behaupten, dass sich die Hälfte der "professionellen" Bodhránbauer nicht so weit in die Materie reingedacht haben.
    Krass, krass, krass !!! Ganz ohne Ironie oder so, sowas hab ich in 12 Jahren hauptberuflichen Bodhránbau erst ein einziges Mal außer dir gesehen, dass sich jemand so in die Materie reindenkt, und das andere war ein Australier.
    Ey ich krieg mich echt nicht mehr ein ! Macht der Kerl eine Mantelabwicklung von nem Kegel !!! Das muss ich jetzt auch machen, weil wir gerade an Karbonrahmen in Trichterform arbeiten, aber das aus Holz zu machen, das wäre ja selbst mir im Traum nicht eingefallen ! Ich fräse das ja aus nem schichtverleimten Vollprofil raus.
    Das mit dem 3D Drucker war keinesfalls gemein oder ironisch gemeint - so hätte ich das in deinem Fall gemacht.
    ALTER SCHWEDE !!! Konstrukion, Recherche, Ausführung (geile Oberfläche !!!) - du hast mich schwer, schwer, schwer beeindruckt !!!!!
    Ich verbeuge mich in Hochachtung !!!!!

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  • Ui!
    8o
    Ich glaube, Du könntest über eine alternative Ausbildung als Bodhranmaker in Christians Werkstatt nachdenken, Michael :D



    "Kegelstumpfmantelflächenabwicklung", ein neues Exponat in meiner Wörtersammlung!

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  • Moin.


    Wenn C.H. seine verbale Begeisterung nicht doch noch in eine praktische Ausnahme hinsichtlich Fell ausweitet:
    Schreib doch mal Ralf Siepmann (Ralf@bodhranshop.com) an.
    Der hat(te) den gleichen Lieferanten wie auch Siegfried Prauß, und da beide nicht mehr bauen, kannst Du vielleicht etwas ausfindig machen.


    Ich habe Bodhrans von Beiden, und die Felle sind einwandfrei.


    Viel Glück!


    2018er AustrHEDian Summer, 2016er ReBELLion, 2008er/2014er Siepmann, 1975er J&R Glen
    (verkauft / verschenkt: 2 x Palisander, LL 2.0, BL 2.0, CL slim, CL "GoldenMaple", MOS, RWE-TwinSkin, Siegfried Prauß).

  • Geil!!!
    Mir fehlen die Worte. Zeigst Du die z.B mal in Proitze vor?


    P.S.: We want photo from backside!

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  • Ich war auch ganz begeistert, dass Du in Proitze warst. Ich habe Dich an der grünen Bodhran gleich erkannt ;o). Das hatte ich vom Forum noch im Hinterkopf. Abgesehen vom technischen Wissen, welches drin steckt sieht deine zweite Bodhran auch echt heiß aus! Du bist ein Teil der Weiterentwicklung der Bodhran von der Rolf im Vortrag sprach.

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    und es macht bumm bumm bumm, benge bumm bumm, ich hab`ein Herz aus Schokolade
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